Autorwkerner

NICHT MEHR ZU HELFEN

Als es in der Schule in Englisch so richtig schlecht lief, da hat mir meine Mutter geholfen: Jeden Tag hat sie mit mir Vokabeln geübt und mich abgefragt. Das war echt hart und unangenehm, aber nötig. Denn auf einer Fünf wollte ich nicht stehenbleiben.

In Mathe – immerhin – da lief es besser. Da konnte ich anderen helfen, habe Nachhilfe gegeben und Freunden erklärt, wie das geht mit Prozentrechnung oder Kurvendiskussionen.
Wenn das im Leben immer so einfach wäre, dass da jemand ist, der einen kennt, der weiß wo’s gerade hakt und mir dann weiterhelfen kann. Wenn das Leben mit all seinen Problemen und Konflikten nur immer so einfach zu lösen wäre wie eine Matheaufgabe.
ABER wenn man älter wird, wenn die Aufgaben schwieriger werden und die Verantwortung zunimmt, dann ist da oft keiner mehr, der so ein Verständnis für meine Aufgaben und Herausforderungen hat, dass er mir helfen kann. Dann muss ich wohl fürchten zu versagen und für mein Versagen von anderen verurteilt zu werden.
Da hilft dann auch kein: “Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!” Was ja auch eher so viel meint wie: “Da ist dir wohl nicht mehr zu helfen.”
Aber irgendwas muss man ja doch tun, reden, denken …
Aber was?
ODER ist es vielleicht genau umgekehrt?
Wenn Gott mir hilft, auch wenn es sonst niemand mehr kann, dann kann ich mir auch wieder selber helfen.
Wenn Gott mir hilft, dann weiß ich auch wieder, was ich denken, reden, tun soll.
NUR: Wie hilft mir Gott?

”Hab keine Angst vor Menschen, denn ich bin bei dir und schütze dich. Das sage ich, der HERR.” (Jeremia 1,8)

KOPFSCHMERZEN
Cohn läuft im Büro herum und jammert:
“Oh, mein Gott, was habe ich nur für Kopfschmerzen. Ich verliere noch meinen Verstand!”
Darauf der Direktor:
“Mein lieber Cohn, wenn Sie wirklich krank sind, dann gehen Sie bitte nach Hause, aber hören Sie endlich auf, hier herumzurennen und anzugeben.”

ÜBERFORDERT?

Probleme, die einem zu schaffen machen, gibt es in jeder Phase des Lebens: Im Kindergarten ist es das allmorgendliche Verlassenwerden von den Eltern, in der Grundschule das Einmaleins und auf der weiterführenden Schule erst die Englischvokabeln und dann auch noch das Prozentrechnen.

Und mit den Problemen, die mir zu schaffen machen, hört es ja nicht auf, wenn man erwachsen wird. Im Gegenteil! Da sind Konflikte am Arbeitsplatz und die Frage: “Was soll ich nun sagen, was soll ich jetzt machen, um die Konfliktparteien wieder zueinander zu bewegen?” Oder ein Vortrag, den ich halten soll, und mein Eindruck: “Ich habe keine Ahnung, was ich sagen soll. Alle, die da zuhören, sind viel älter als ich und haben viel mehr Ahnung von der Materie.”

“Ich kann doch nicht reden, ich bin noch zu jung!” (Jeremia 1,6)

Zu jung, zu alt, zu unerfahren, zu schüchtern. Irgendwo hakt’s immer. So geht es offenbar nicht nur mir. So ging es auch schon dem Propheten Jeremia.

ZU JUNG?

Der siebzigjährige steinreiche Teitelbaum hat eine bildschöne Zwanzigjährige geheiratet.
Sein Freund fragt ihn, wie er das geschafft hat:
“Nun, im Grunde ganz einfach: Ich habe ihr einfach gesagt, dass ich bereits 85 bin.”

EHRE nehmen und EHRE verletzen

… das ist der Stoff, aus dem (nicht nur) das monumentale Fantasywerk “A Game of Thrones” gemacht ist. Da sind Könige und Prinzessinnen, Lords und Ritter, Diener, Bauern, Diebe, Bastarde und Kinder. Alle haben ihren Platz in der Gesellschaft und mit ihrem Platz auch ihre Stellung. Und “Wehe!”, wenn jemand nicht gemäß seiner Ehrenstellung angemessen behandelt und geehrt wird. Allein schon die falsche Anrede kann da zu einem Kapitalverbrechen werden, wenn man den König mit “My Lord” statt – wie es sich geziemt – mit “Your Grace” anspricht. Da folgt schonmal ganz schnell “Kopf ab!” oder jede beliebige Strafe, die sich die höhergestellte Person als Racheakt so ausdenkt.

Das Blöde ist nur: Wer “A Game of Thrones” als Buch liest oder als Film anschaut und dann in die reale Welt zurückkehrt, der merkt leider nur zu deutlich, dass sich George R. R. Martin solchen Stoff nicht nur für seine Geschichte ausgedacht hat, sondern das reale Leben leider nur zu oft genauso kleinlich und unbarmherzig funktioniert – von Eltern über Lehrer, von Landräten bis zu Präsidenten.
Ist denn das Motto “Ehre, wem Ehre gebührt!” oder “Keine Kritik am Vorgesetzten!” die einzige Währung, in der menschliche Größe gehandelt wird?
Zum Glück gibt es immer wieder auch solche, die zwar ihre Verantwortung und ihre Aufgaben, nicht aber sich selbst und ihre Ehre immer so wichtig nehmen; solche, die den langfristigen Frieden und das Wohlergehen aller höher werten, als dass sie selbst immer gut dastehen.
Mich selbst nicht so wichtig zu nehmen, auch mal fünf gerade sein zu lassen, das fällt nicht leicht, gelingt aber umso leichter, je mehr ich damit rechne, dass nicht ich allein für alles im Leben verantwortlich bin, sondern “die Götter” (A Game of Thrones) oder “der dreieine Gott” (die Bibel) darin auch unsichtbar am Werke sind und Manches zum Guten wenden, was jetzt noch nicht so gut aussieht. Da lohnt es sich, auch mal – vertrauend auf das Wirken Gottes – abzuwarten und nicht immer gleich selbst zurückzugeben und damit dem verborgenen Wirken reinzugrätschen.
Aber das war noch nie leicht, lohnt sich aber einzuüben, worauf Jesus bereits hinwies: “Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?” (Johannes 5,44)

ANGEMESSENES VERHALTEN
“Ich bin so unglücklich in meinen Beziehungen!”, klagt der Patient beim Therapeuten. “Irgendwie können mich die Leute nicht als zugewandt und freundlich anerkennen. Vielleicht ist es Einbildung. Aber überall spüre ich feindselige Blicke und abfällige Worte von allen Seiten. Irgendwie handeln meine Mitmenschen immer negativ gegen mich.”
“Sie haben also ein Gefühl der Isolierung?”, fragt der Therapeut freundlich zurück.
“Na, das habe ich doch gerade erklärt, du Trottel.”

Das Leben ist HART, aber UNGERECHT

Grausame Pharaonen, gemeine Königinnen, brutale Lords, tyrannische Chefs. Entweder wir haben es schon selbst erlebt, wie hart und ungerecht das Leben oftmals ist, oder wir werden durch die Berichte und Geschichten anderer daran erinnert, dass schöne Phasen, angenehme Wochen und paradieshafte Monate nur ein Ausschnitt des Lebens, aber niemals das Ganze sind.

In seinem modernen Geschichtsepos “A Game of Thrones” breitet George R. R. Martin alle nur denkbaren Brutalitäten des Lebens und Gemeinheiten menschlicher Beziehungen schonungslos aus. Und während sonst die Belletristik als schöne Literatur davon lebt, dass es den Hauptdarstellern immer gelingt, gegen alle unschönen Widerwärtigkeiten tapfer und edel zu bestehen, ist Martins “Lied von Eis und Feuer” ein Paradebeispiel unschöner Literatur, also der Malletristik: Auch die Helden haben fatale Defizite und begehen katastrophale Fehler. Und das Böse ist so siegreich, dass selbst der ehrenhafte Lord Eddard Stark stirbt, bevor das Ende des ersten Bandes erreicht ist. Von wegen “und wenn sie nicht gestorben sind …”
Vor dem Hintergrund solcher kaum auszuhaltenden Dunkelheit und Kälte sind Erfahrungen der Schönheit, Barmherzigkeit, Freundschaft und Befreiung eher eine Seltenheit. Aber es gibt sie, immer wieder, auch in den Erfahrungen realer Menschen und in den echten Geschichten der Völker, so dass Mose auch seine jüdischen Volksgenossen aufmunternd erinnern konnte: “Gott hat euch herausgeholt aus dem Land, in dem ihr Sklaven wart; er hat euch mit seiner starken Hand aus der Gewalt des Pharaos befreit.” (5.Mose 7,8b)
Das Leben ist oft hart und ungerecht. Ob Gott auch mir helfen kann, mit oftmals kaum auszuhaltenden Widerwärtigkeiten umzugehen und aus hoffnungslosen Sackgassen wieder herauszukommen?

KAUM AUSZUHALTEN
Frau Goldberg zu ihrem Ehemann:
“Du liebst mich nicht mehr, du gehst nicht mehr mit mir aus und du kaufst mir auch keine Geschenke mehr – kurz: Du liebst mich nicht mehr!”
Der Ehemann:
“Aber glaubst du denn wirklich, man könnte es mit dir aushalten, ohne dich zu lieben?!”

WARNHINWEISE

Wenn’s im Leben so richtig schlecht läuft, dann frage ich mich schon:
Warum?
Was habe ich versäumt oder welchen Warnhinweis nicht beachtet, dass es so weit hat kommen können?

An welcher Stelle hätte ich etwas anders machen können, um dieses Desaster zu vermeiden?
Klar, nicht selten sind auch die anderen Schuld an meiner Misere. Mir wurde übel mitgespielt. Aber reicht das als Erklärung immer schon aus?
Oder kann ich auch die harte Wahrheit ertragen, dass ein Teil der Verantwortung nicht nur bei den anderen, sondern auch bei mir liegt?
Solche Fragen haben sich immer wieder nicht nur einzelne Personen, sondern auch ganze Gruppen und Völker gestellt. Wenn das Volk Israel von Feinden überwältigt oder unterdrückt wurde, dann stellten vor allem die Propheten solche harte Fragen: Wo hätte die Führung, das Königshaus besser eine Politik der Zurückhaltung und des Friedens verfolgen sollen statt auf unheilvolle Allianzen und militärische Stärke zu setzen? Und wenn sich dann statt des kriegerischen Erfolges eine vernichtende Niederlage einstellte, ob dann vielleicht sogar Gott hinter solcher Strafe steckte?
Nicht selten hatten Propheten den Eindruck, dass Gott auch durch schmerzliche Erfahrungen seinen Leuten etwas zeigen, sie warnen wollte: “Er wollte euch zeigen, dass er allein der wahre Gott ist und dass er Wort hält … Aber alle, die sich ihm widersetzen, bestraft er auf der Stelle und vernichtet sie.” (5.Mose 7,9f.)
Das ist eine harte, vielleicht zu harte Aussage für unsere Ohren heute, wo Gott und Religion immer möglichst freundlich, nett und sanft daherkommen sollen. Und bestimmt will niemand zurück zu einer Form von Religionsausübung, bei der vermeintlich Fromme sich aufblähen und anderen, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen, im Namen Gottes Angst machen.
Aber manchmal lohnt es sich vielleicht doch, auch einmal ganz ehrlich zu fragen:
Ob Gott mich warnen will? Ob er uns etwas zeigen möchte?
Denn wenn’s im Leben so richtig schlecht läuft, dann liegt das ja vielleicht auch daran, dass nicht nur die anderen, sondern auch ich selbst meine Schattenseiten habe.
Aber wer will die schon kennenlernen?

KENNENLERNEN
David zu seinem Großvater:
“Großvater, ist es wahr, dass in einigen Ländern Afrikas die Ehepartner sich erst NACH der Hochzeit kennenlernen?”
“Nun, das ist eigentlich in allen Ländern so.”

Nichts LIEBENSWERTES = LIEBE nichts?

“LIEBE” ist ja ein großes Wort. Und wer gerade verliebt ist, weiß auch meist ein paar Gründe zu nennen, warum diese Liebe zur anderen Person entstanden ist. “Er ist einfach immer so verständnisvoll.” Oder: “Sie hat so ein humorvolles Wesen,” heißt es dann vielleicht.
Wenn unter uns Menschen Liebe entsteht und wächst, dann hat das meist gute Gründe, die in der geliebten Person zu finden sind.
Was aber, wenn sich in der anderen Person nichts Liebenswertes findet?
Gilt dann die Gleichung:
NULL Liebenswertes = NULL Liebe ?
Mit dieser Gleichung im Kopf hatte zumindest Martin Luther lange Zeit gelebt. An sich selbst fand er nichts, wofür Gott ihn als liebenswert oder annehmbar hätte ansehen können. Da waren nur Fehler und Defizite, die er an sich sah. Und so konnte er sich auch nur vorstellen, dass Gott ihn als unannehmbar ablehnen, aber auf keinen Fall lieben konnte.
Bis Martin Luther irgendwann entdeckte: Gottes Liebe funktioniert ganz anders als unsere menschliche Liebe. Gott liebt, ohne dass es dafür Gründe oder Anhaltspunkte in der geliebten Person braucht. Gott liebt “einfach so”. Und Gottes Liebe ist so stark und kreativ, dass sie im Gegenüber alles Liebenswerte selbst hervorbringt und den betreffenden Menschen so wiederum auch wirklich “liebenswert” macht.
Auf den Punkt gebracht hat Martin Luther das einmal für eine Diskussion in Heidelberg, indem er formulierte:

“Die Liebe Gottes findet das für sie Liebenswerte nicht vor, sondern erschafft es. Die Liebe des Menschen entsteht aus dem für sie Liebenswerten.” (Heidelberger Disputation 1518, These 28)
Und wenn man diesen Unterschied begreift, dann versteht man auch: warum Gott ein kleines und bedeutungsloses Volk Israel beachten konnte (5.Mose 7,7f.); warum er mich trotz meiner Fehler und Defizite annimmt und mir mit seiner Liebe begegnet; warum auch bei anderen noch so manches Liebenswerte entstehen könnte, wenn ich mich ihnen zuwende – von Gottes Liebe motiviert.

AM MEISTEN LIEBEN
Frau Goldberg zu ihrem Ehemann:
“Liebster, was liebst du eigentlich am meisten an mir: meinen Verstand oder mein Aussehen?”
Der Ehemann: “Deinen Sinn für Humor.”

Wo gehöre ich hin?

Das Leben ist ja immer wieder voller Überraschungen. Schön, wenn es sich um erfreuliche Überraschungen handelt. Nicht so schön, wenn es sich um eher unerfreuliche Überraschungen handelt: das vorzeitige Ende eines Berufsweges, der unerwartete Verlust einer mir vertrauten Person oder das abrupte Ende einer Partnerschaft. Solche böse Überraschungen können mich geradezu aus der Bahn werfen.
Wie gut haben es da die Kinder! Wenn denen ganz unerwartet etwas Schlimmes passiert, dann wissen sie, wo sie hinlaufen können, wo sie hingehören: Mama oder Papa sind ja auf jeden Fall immer für sie da.
Aber wenn wir älter werden, vielleicht selbst Mama oder Papa geworden sind und niemand mehr da ist, zu dem wir einfach so gehen können – so ganz selbstverständlich und vertrauensvoll?
Wo gehöre ich dann hin? Wer hört mir dann zu? Auf wenn kann ich dann hören, der mir aufmunternde Worte sagt und mir hilfreiche Ratschläge gibt?
Zu den Israeliten sagte Gott vor langer Zeit: “An mich könnt ihr euch halten. Ich höre euch zu. Ich sage euch die Worte, die euch weiterhelfen. Denn ihr gehört zu mir.”
Oder in biblischer Sprache: “Du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott.” (5.Mose 7,6)
Denn HEILIG bedeutet, so das theologische Wörterbuch, nicht mehr und nicht weniger als “zu Gott gehörig”.
Durch die Taufe gehöre ich auch zu Gott als sein Kind.
Ich bin auch heilig.

ZUSAMMEN GEHÖREN
Sarah Teitelbaum und Moische Mandelbaum leben bereits seit über 20 Jahren als unverheiratetes Paar zusammen.
Eines Tages fragt Frau Teiltelbaum:
“Lieber Moische, meinst du nicht auch, dass wir einmal über Heirat nachdenken sollten?”
Darauf er:
“Und meinst du wirklich, liebe Sarah, UNS würde noch jemand nehmen?”

„HEILIG“ – Vergiss es!

„Heilige“ Personen, Orte, Zeiten, Gegenstände. Da gibt es so einiges, auf das man das Prädikat „heilig“ mittlerweile anwendet. Der Einfachheit halber konzentriere ich mich mal auf heilige Personen, denn zumindest da scheint die Sache relativ klar. „Heilige“ Personen oder einfach „Heilige“ sind offenbar solche Menschen, die durch einen außerordentlich frommen, gottwohlgefälligen, ethisch und moralisch untadeligen Lebenswandel auffällig geworden sind; und zwar derart auffällig, dass viele sie so dermaßen für ihre großartige Lebensführung und ihre frommen Leistungen bewundern, dass sie mit der Zeit das Prädikat „heilig“ zugesprochen bekamen – zuerst eher informell, später dann durch formale Heiligsprechungsverfahren der Kirche auch ganz offiziell.
Also kurz: „Heilig“ nennt man die „Heiligen“, weil sie im Feld der Religion großartig gelebt und Großartiges geleistet haben.

Nichts davon trifft allerdings auf die Gruppe von Personen zu, die so ziemlich am Anfang der Bibel und dann fortlaufend in den biblischen Geschichtsbüchern heilig genannt wird: das Volk Israel bzw. die Juden, also die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Von denen sagt nämlich Mose, dass sie heilig sind, obwohl sie weder groß sind noch großartig waren, sondern ganz im Gegenteil:
„Du bist ein heiliges Volk … Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern.“ (5.Mose 7,6f.)
Vergessen wir also, wir bisher über „heilig“ zu wissen meinen. Wir müssen noch einmal ganz von vorne anfangen und darüber nachdenken, was „heilig sein“ eigentlich bedeutet und warum es nichts mit moralischer Großartigkeit oder religiöser Vorbildlichkeit zu tun hat.

HEILIG WERDEN – nicht so leicht
Ein Mann will den großen Heiligen nacheifern und geht daher ins Kloster, um Mönch zu werden. Der Orden, dem er beitritt, ist streng: Nur alle zehn Jahre darf man zwei Wörter sagen.
Nach den ersten zehn Jahren geht er zum Abt und sagt: “Bett hart!”
Zehn Jahre später geht er wieder zum Abt und sagt: “Essen schlecht!”
Nach dreißig Jahren geht er zum Abt und sagt: “Ich gehe!”
Da sagt der Abt: “Das wundert mich nicht! Seit du hier bist, habe ich dich nur rummeckern gehört.”

VOLLMACHT und AUTORITÄT haben und ausüben

In dem modernen Märchen “Der Herr der Ringe” wird der kleine Hobbit Frodo Beutlin auserwählt, inmitten einer Gruppe von Gefährten den Ring der Macht zu tragen, den der böse Herrscher Sauron in seine Gewalt bringen will. Der Halbling Frodo soll den zwielichtigen Ring allerdings nicht tragen, um selbst durch diesen Vollmacht und Autorität zu erlangen und auszuüben, sondern um ihn mit seinen Gefährten bis zu den Vulkanfluten Saurons zu tragen und dort zu vernichten. Denn für manche unter den Gefährten war mittlerweile überdeutlich geworden, dass die unheilvolle Art der Macht, die der Ring verleiht, letztlich nicht nur zur Zerstörung jeder Gemeinschaft, sondern auch zur Selbstzerstörung jedes Ringträgers führt.
Wie wir als Menschen Vollmacht und Autorität haben und ausüben können, ist eine Frage, die J.R.R. Tolkien, überzeugter Christ und praktizierender Katholik, in seine dreibändige Märchen-Trilogie in ganz unterschiedlichen Figuren und Nuancen hineingewoben hat.

Der scheinbar so starke Kämpfer Boromir meint, es sei für die Menschen von Mittelerde am besten, wenn er den Ring der Macht seinem Freund Frodo besser abnehmen würde, als dieser zu schwächeln droht. Boromir will lieber selbst mit dem Ring herrschen, merkt aber nicht, wie ihn seine Art des Herrschen-Wollens bereits innerhalb der Gemeinschaft der Freunde brutal und unbarmherzig werden lässt.
Ganz anders die Elbenkönigin Galadriel. Sie nutzt all ihre Autorität, nicht um den Ring und die mit ihm mögliche Vollmacht für sich selbst zu gewinnen, sondern sie tut alles, was in ihrer Macht steht, um Frodo und die Gefährten zu unterstützen und ihnen zu dienen, damit das Abenteuer für alle ein gutes Ende nimmt.
Dass man so wie Galadriel Macht und Autorität ausüben müsste, darüber unterhielten sich die Freunde und Märchenautoren J.R.R Tolkien und C.S. Lewis beim Biertrinken und gegenseiten Vorlesen ihrer gerade entstehenden Geschichten im Oxforder Pub “Eagle an Child”. Denn so hatten sie das selbst von Jesus gelernt, der sagte: “Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.” (Matthäus 20,26-28)

PRÄSIDENTEN-AUTORITÄT
Während einer internationalen Konferenz fragt der amerikanische Präsident seinen israelischen Kollegen:
“Wie viele Einwohner hat Israel eigentlich?”
Der israelische Präsident:
“Ungefähr 7 Millionen.”
Darauf der amerikanische Präsident:
“Da haben Sie es wirklich leicht. Aber ich? Ich bin Präsident von 300 Millionen Einwohnern.”
Darauf der israelische Präsident:
“Sie irren: Ich bin allein, habe aber ungefähr 7 Millionen Präsidenten!”

AUSSTEIGER und ZURÜCKBLEIBER

AUSSTEIGEN: schön für den, der aussteigt

War er wirklich fasziniert von Jesus? Oder war Petrus einfach nur angewidert und gelangweilt? Hatte es satt: dieses tägliche Einerlei, nachts oder frühmorgens aufstehen und Fischen gehen, dann immer wieder die Netze flicken und sauber machen. Und dann auch noch das familiäre Einerlei, die nervigen Kinder vielleicht und die lästigen Schwiegereltern in der Großfamilie im Dorf.
Vielleicht war die Begegnung mit Jesus für Petrus und seine Kollegen einfach DIE Gelegenheit, aus diesem Alltagstrott auszusteigen und ihr Leben als Studenten von Rabbi Jesus auf einem ganz anderen Niveau zu gestalten.

AUSSTEIGEN: Und was ist mit denen, die zurückbleiben?

Bis zum EXIT aus ihrem bisherigen Leben hatten Petrus und seine Kollegen immerhin für den Lebensunterhalt mehrerer Familien gesorgt. Und was wurde dann aus denen, als er und die anderen als Studenten von Professor Jesus sich davon machten?
Was ist eigentlich mit den Ehepartnern, Kindern oder anderen Familienangehörigen, wenn jemand ein Opfer für Gott bringt und sich für seinen Glauben mit Zeit und Geld investiert? Meist betrifft so eine Entscheidung ja immer auch andere.
Ob Gott sich wohl auch um die kümmert, von denen in diesen Geschichten von Jesus und den Aposteln kaum die Rede ist? Fallen die einfach hinten runter oder behält Gott die auch im Blick, selbst wenn die Geschichtenschreiber und Geschichtenleser sie leicht aus dem Blick verlieren?

AUF GANZ ANDEREM NIVEAU
Ein Student zum Professor:
“Herr Professor, Ihre letzte Vorlesung hat mich völlig verwirrt. Haben Sie nicht eine weiterführende Literaturempfehlung für mich?”
Der Professor denkt kurz nach, dann nennt er einige Bücher.
Einige Wochen später treffen sich die beiden wieder.
Der Professor:
“Nun, sind Sie immer noch so verwirrt?”
“Ehrlich gesagt: Ja – aber auf einem ganz anderen Niveau.”

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