MonatJuni 2020

Eine gute Portion HUMOR

Es gibt natürlich Situationen im Leben, da ist es unmissverständlich klar, dass mir jemand dermaßen feindselig begegnet, dass es sofortiger “Notwehr”-Aktionen gegen den Aggressor bedarf, um größeren Schaden abzuwenden.
In den allermeisten Fällen meiner “normalen” Erfahrungswelt ist es aber eher so, dass mir ein relativ großer Interpretations- und Handlungsspielraum verbleibt: zwischen den beiden Extremen entweder einerseits sofort zurückzuschlagen oder andererseits einfach untätig zuzusehen und geschehen zu lassen.
Gerade durch eine gute Portion Humor kann man sich oftmals aus der Enge einer feindseligen Konfliktsituation befreien. Und nicht selten ist ja schon allein dadurch viel gewonnen, dass ich für mich selbst diese Freiheit des inneren Abstands gewinnen kann, die für mich heilsam wirkt und es mir zudem ermöglicht, auch für andere heilsam zu wirken.
Und dass das mit einer guten Portion Humor tatsächlich möglich ist, selbst wenn man vor versammelter Gemeinde als Blödmann hingestellt wird, das haben andere bereits vorgemacht:

BLÖDMANN
Einem Pfarrer wird in einer Gemeindeversammlung ein Brief überreicht. Der Pfarrer öffnet den Brief und liest nur ein einziges Wort: “BLÖDMANN”
“Nun”, beginnt der Pfarrer seine kurze Erklärung, “ich kenne zwar viele Beispiele dafür, dass jemand einen Brief schreibt und dann vergisst, ihn zu unterschreiben. Aber dass jemand einen Brief unterschreibt und vergisst, ihn überhaupt zu schreiben, das habe ich bis jetzt noch nicht erlebt.”

FEINDSELIGE ABSICHTEN

Feindselige Absichten, die schlagen uns in verschiedenen Bereichen unseres Lebens immer wieder entgegen:
– im Beruf, wenn Kollegen mir die Tür vor der Nase zufallen lassen und mich damit spüren lassen, dass sie mich missachten,
– in der Familie, wenn meine Schwester mich aus ihrem Zimmer ausschließt und mir damit deutlich macht, dass ich ein nichtsnutziger Bruder bin,
– im Verein, wenn ein Vorstandskollege mich wegen angeblichen Fehlverhaltens kritisiert und ich den Eindruck bekomme, dass ich darüber “stolpern” soll.

In allen diesen Verhaltensweisen meiner Mitmenschen begegnen mir immer wieder feindselige Absichten, weil ich sie als eine Beleidigung meiner selbst erfahren muss.
Muss ich das wirklich?
Manchmal hilft es vielleicht, erst einmal einen Schritt zurückzutreten, Druck aus der Situation herauszunehmen und nicht sofort zu reagieren, wie schon der Apostel Paulus empfahl: “Wenn euch jemand Unrecht tut, dann zahlt es niemals mit gleicher Münze heim.” (Römer 12,17)
Und manchmal ist es mit ein wenig Abstand sogar möglich, einen neuen Blick auf das zu gewinnen, was ich bisher als feindliche Absicht oder Beleidigung erfahren habe:

BELEIDIGUNG
Zwei Handelsreisende unterhalten sich:
“Ein schwerer Beruf! Ich gebe mir solche Mühe, bin so freundlich – und doch gibt es immer wieder Kunden, die mich beleidigen.”
Darauf der andere:
“Was für ein Pech! Das ist mir noch nie passiert. Man hat mich zwar schon aus dem Haus geworfen, mir die Türe vor der Nase zugeschlagen und mich die Treppe hinuntergeworfen – aber beleidigt? Beleidigt hat man mich noch nie.”

VERSTECKEN spielen mit GOTT

Fußgönheim / Schauernheim: Predigtersatzstoff

In dem Oxforder Pub “The Eagle and Child” trafen sich ein paar Freunde über mehr als 30 Jahre donnerstagabends zum Biertrinken, Vorlesen, Reden und “Versteckspielen”. Zu dieser Gruppe von Literaturexperten, die sich die “Inklings” nannten (von engl.: Andeutungen, Tintenkleckser), gehörten Autoren wie C. S. Lewis und J. R. R. Tolkien. Diese Freunde tauschten sich beim Biertrinken über Ideen zu ihren Geschichten aus und versteckten in ihren später millionenfach verkauften und sogar verfilmten Büchern “Die Chroniken von Narnia”, “Der Hobbit” und “Der Herr der Ringe” alle möglichen Motive der Mythologie und Themen des christlichen Glaubens.

Ein Motiv beispielsweise, das sich durch viele Erzählstränge der genannten Bücher hindurchzieht, ist der Gedanke, dass die wahrhaft großen Dinge im Leben bewegt werden nicht durch “große” Leute und ihre gewaltigen Taten, sondern durch “ganz normale” Leute wie Kinder, Hobbits oder Zwerge, wenn diese sich zusammentun, um durch viele alltägliche Schritte und liebevolle Taten das Gute zu befördern.
Für die Urlaubs- bzw. Sommerwochen lade ich hiermit dazu ein, bei dem von C. S. Lewis und J. R. R. Tolkien angeregten Versteckspiel mitzumachen – in vorzugsweise zwei Spielvarianten:
Variante 1: Eines der genannten Bücher lesen und darauf achten, wo die Autoren darin Gott und Themen des Glaubens versteckt haben.
Variante 2: Im eigenen Alltag die Augen dafür offen halten, wo Gott selbst sich versteckt hat. Denn Gott liebt offenbar auch das Versteckspielen – und vor allem wohl auch das Gefundenwerden, so dass Jesus einmal von ihm sagte: “Sucht und ihr werdet finden!” (Matthäus 7,7)

ANTWORTEN SUCHEN
Viele Menschen suchen nach Antworten auf die Frage, womit sie es verdient haben, wenn es ihnen schlecht geht. Aber nur wenige suchen nach Antworten auf die Frage, woher es kommt, wenn es ihnen gut geht.

TREUE-DOMINO spielen

“Treue”. Es ist schon schon komisch, wie ambivalent Wörter klingen können je nachdem, von welcher Seite aus man sie versteht:
“Liebe und Treue”, das sind doch eigentlich schöne Worte und Phänomene. Wer freut sich nicht, wenn ihm jemand lebenslange Liebe und Treue zusagt? Das tut doch unglaublich gut, wenn man so ein Versprechen von seinem Partner geschenkt bekommt.
Andererseits:
Treue wie in “getreu bis in den Tod”, solche Treue kann man auch von Soldaten erwarten, deren Treue dann wiederum zum Kadavergehorsam mutieren kann, wenn sie von lieblosen Militärs zu menschenunwürdigen Zwecken missbraucht wird.
Allerdings:
Was wären unsere Familien, wenn Eltern ihren Kindern – selbst bei Fehlverhalten der Kinder – nicht treu und liebevoll zur Seite stehen würden?
Treue funktioniert liebevoll doch wohl nur so: Nicht dass ich sie von meinen Kindern, Angestellten oder Mitarbeitern erwarte oder einfordere, sondern dass ich sie als Vater, Geschäftsführer oder Pfarrer ihnen von meiner Seite aus zusage und einhalte. Und wenn es sein soll, dann wird auf der anderen Seite ganz von selbst Vertrauen und Zuneigung, Liebe und Treue wachsen, ohne dass ich sie einfordere.
So könnte eine Domino-Reihe aus Vertrauen und Zuversicht entstehen, wenn einer beginnt, Liebe und Treue zuzusagen und einzuhalten; und die nächsten, die solches erfahren, dann “angestuppst” werden, ebenfalls Vertrauen und Zuversicht weiterzugeben.

Den ersten “Liebe und Treue”-Dominostein hat Gott schon vor langer Zeit gesetzt und angestuppst, von dem gesagt wird: “Den Nachkommen Abrahams und Jakobs wirst du mit Liebe und Treue begegnen, wie du es einst unseren Vorfahren mit einem Eid zugesagt hast.” (Micha 7,20)

LANGE TREUE
Während der Trauzeremonie unterbricht der Bräutigam den Pfarrer:
“Wie lang, sagten Sie?”

AUS DER HAUT FAHREN

Ich war zornig, ärgerlich, aufgebracht – und dann auch aus der Haut gefahren: Sie hat einfach nicht aufgehört. Sie hat einfach nicht aufgehört, ihn mit ihren Erwartungen und Vorwürfen zu traktieren. Und ich stand dabei und musste mir das alles mit ansehen. Und dann bin ich selbst ärgerlich und zornig geworden.

Das war ja doch auch verständlich: Denn an beiden lag mir etwas und der Streit hat mich mitgenommen. Und als mein leiser Einspruch nicht gehört wurde, da musste ich wohl selbst lauter werden, um mir Gehör zu verschaffen. Das war mir allerdings – muss ich zugeben – sofort danach schon unangenehm, weil ich mich selbst zumindest bei der einen Beteiligten damit in ein ganz schlechtes Licht gestellt habe.
Aber es kann doch auch nicht sein, dass ich zum Beispiel als Vater einfach nur dabeistehe und zusehe, wenn es um meine Kinder geht. Und wenn sie in Streit geraten und der Unfriede überhand nimmt, dann lässt mich das nicht kalt. Klar, wenn mir meine Kinder gleichgültig wären, dann hätte ich mich über ihr Fehlverhalten nicht aufregen müssen. Dann hätte ich denken können: “Sind ja nicht meine Kinder. Warum sollte ich mich engagieren? Soll sich doch jemand anderes darum kümmern, dass da wieder Glück und Frieden einkehrt. Mich tangiert das nicht.” Aber wenn es um meine Kinder geht, dann lässt mich das nicht kalt.
Zum Glück haben wir das jetzt schon häufiger erlebt, dass wir uns – aus gutem Grund – übereinander ärgern und gegeneinander zornig werden; wir aber auch allen berechtigten Ärger und Zorn später wieder loslassen können. Und niemand braucht sich schämen, wenn er nicht immer nur sympathisch, lieb und nett rüberkommt, sondern auch mal ärgerlich und zornig, weil der oder die andere ihm nicht egal ist, sondern etwas bedeutet.
Und dass solcher Zorn über Unrecht und Unfrieden auch bei Gott ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu tieferem Frieden ist, daraus könnte man vielleicht sogar ableiten, dass Zorn und Ärger nicht nur menschliche, sondern auch göttliche Phänomene sind.
“HERR, wo sonst gibt es einen Gott wie dich? … Du hältst nicht für immer an deinem Zorn fest,” sagt nämlich schon der Prophet Micha (Micha 7,18).
Ich muss allerdings zugeben: Ganz so LAUT, wie ich selbst dann geworden bin, hätte ich wohl besser nicht werden sollen; und habe mich dann auch dafür entschuldigt.

LAUTSTÄRKE
Cohn betet in der Synagoge mit besonders lauter Stimme. Sein Nachbar flüstert ihm leise zu:
“Mit GEWALT kannst du HIER absolut nichts ausrichten!”

SCHULD WEGWERFEN

Wer einen Streit mit schweren Vorwürfen schlichten soll – zum Beispiel als Vater unter den eigenen Kindern – der kennt das nur zu gut: Wenn das tatsächlich stimmen sollte, was die Schwester dem Bruder da vorwirft, dann wäre das doch überhaupt nicht verwunderlich. Denn – so weiß man doch aus eigener Kindheitserinnerung – das ist doch einfach nur allzu menschlich, genau solche Fehler zu machen und solche Schuld auf sich zu laden, wie sie im Konflikt zur Sprache kommen. Hat man ja selbst auch schon gemacht.
Und wenn nur die Hälfte der Vorwürfe wahr sind, dann ist es auch nur allzu verständlich, dass der Bruder alles rundheraus abstreitet. Denn auch die Gründe dafür kann ja jeder leicht vom Kontext her nachvollziehen: Wenn ich nämlich von der Schwester vor das Elterngericht gezerrt werde, um dort abgeurteilt zu werden und schwere Strafe zu empfangen, dann werde ich meine eigenen Fehler – wenn überhaupt – nur zähneknirschend eingestehen.
Wenn es allerdings darum geht, dass wir unter Gefährten, die miteinander auf dem Weg sind, einen Konflikt befrieden, dann werde ich schon eher bereit sein und es auch leichter ertragen, dass Licht auf meine Schattenseiten fällt; wenn mir selbst klar und gewiss ist, dass ich von der Gemeinschaft nicht verdammt, sondern weiter getragen werde.
Und dann kann sogar irgendwann der Punkt kommen, an dem Wunden heilen und Belastendes fortgeworfen wird. Dieses Fortwerfen oder “Loslassen”, wie man in der Mystik sagt, ist allerdings nicht leicht. Wie Kinder, die einen schweren Ball fortwerfen wollen, anfangs blöderweise die Erfahrung machen, dass ihnen der Ball immer wieder vor die eigenen Füße fällt, so ist und bleibt es wohl auch für uns Erwachsene eine lebenslange Herausforderung, das Wegwerfen von Schuld- und Fehlerbällen zu lernen, wenn man heil, befreit und erleichtert den Weg fortsetzen will.

Bei Gott kann man sich das übrigens abgucken, wie das geht. Er scheint das besonders gut zu können: “Du wirst mit uns Erbarmen haben und alle unsere Schuld wegschaffen; du wirst sie in das Meer werfen, dort, wo es am tiefsten ist.” (Micha 7,19)

AUF GEDEIH UND VERDERB

Adam und Eva sind noch im Paradies.
Eva: “Liebst du mich?”
Adam: “Habe ich ein Wahl?”

GERECHTE STRAFE

Wenn sich jemand daneben benimmt, wenn sich jemand mir gegenüber falsch verhält, dann muss ich das doch ansprechen, dann muss ich das doch richtigstellen. Es kann ja nicht sein, dass sich Leute Sachen herausnehmen und Verhaltensweisen an den Tag legen, die einfach nicht okay sind und damit dann auch noch “einfach so” durchkommen.
Heute ist mir etwas total Blödes passiert. Und sofort habe ich mich gefragt: “Ob mich jetzt das Schicksal bestraft für einen groben Fehler, den ich mir gestern geleistet habe?” Die Aktion gestern war keine böse Absicht von mir, aber – so muss ich mir jetzt eingestehen – doch ein kapitales Versäumnis auf meiner Seite. Und jetzt bekomme ich dafür die Quittung. Das ist jetzt die gerechte Strafe, die durch den Lauf der Dinge auf mich zurückfällt.
Oder bilde ich mir das nur ein? Sehe ich das, was mir heute so Unangenehmes passiert ist, einfach nur so negativ, weil das ja so menschlich ist? Fehler werden nun mal bestraft. Schuld wird nun mal heimgezahlt. Und warum sollte es das Schicksal anders machen?
Diese Abwärtsspirale aus Schuld und Vergeltung ist doch ein nur allzu gut bekanntes Phänomen persönlichen Lebens wie auch zwischenmenschlichen Zusammenlebens. Und warum sollte es das Schicksal oder warum sollte Gott das anders machen und diese Abwärtsspirale umkehren – also durch Drüber-Hinweggehen und Vergeben in eine Aufwärtsspirale verwandeln?
Das würde ja bedeuten, dass ich nicht hoffnungslos auf meine Fehler festgenagelt werde, sondern stattdessen ein Same der Hoffnung gesät wird. Ob Micha so etwas Ähnliches erlebt haben mag? So dass er schrieb:
“Herr, wo sonst gibst es einen Gott wie dich? Allen, die von deinem Volk übrig geblieben sind, vergibst du ihre Schuld und gehst über ihre Verfehlungen hinweg.” (Micha 7,18)

GERADE NOCHMAL GUT GEGANGEN
Grün fährt mit dem Zug nach Lemberg. Ihm gegenüber sitzt ein Offizier, der tief schläft. Plötzlich wird dem Grün schlecht und er erbricht sich auf die Uniform des Offiziers. Es gelingt ihm aber, das Gröbste von der Uniform abzuwischen.
Als der Offizier aufwacht, fragt Grün ihn vorsichtig:
“Und, geht es Ihnen schon wieder etwas besser?”

WAS FREUDE MACHT

Im Rahmen eines Kurses sollten wir Teilnehmer ganz spontan und ohne viel Nachdenken fünf Punkte aufschreiben, was wir gerne machen würden, wenn wir dazu Zeit und Gelegenheit hätten. Was uns Freude machen würde? Hier mal meine ganz aktuellen, spontanen Antworten:
Mir würde es Freude bereiten …

  • faul in der Hängematte zu liegen und auszuruhen
  • Abstand nehmen von allen unangenehmen Aufgaben
  • so richtig entspannt lange ausschlafen
  • einfach nur auf dem Sofa sitzen, in den Garten schauen und Kaffee trinken
  • den Wohnwagen anhängen, mit der Familie losfahren und alles andere hinter mir lassen

Okay. Wenn ich mir diese fünf Punkte jetzt so anschaue, frage ich mich natürlich schon, ob ich wohl urlaubsreif bin? Irgendwie zeigen sie doch ganz deutlich in eine Richtung …
Bei dem Kurs war die Frage aber eher grundsätzlich gemeint: Was würde Dir in Deinem Leben Freude machen, wodurch Deine Persönlichkeit noch mehr zur Entfaltung kommen könnte, wenn Du dazu Zeit und Gelegenheit hättest? Punkte, die ich damals aufgeschrieben hatte, klangen eher so:

  • Tauchen lernen und dazu einen vor langer Zeit abgebrochenen Tauchkurs fortsetzen
  • mit meiner Video-Software noch besser Video-Editieren lernen
  • mit meinen Kindern Skat spielen und andere nette Sachen machen

Was uns Freude bereitet, das kann ja nicht nur etwas über unseren momentanen Zustand aussagen, sondern auch grundsätzlich ganz viel über unsere Persönlichkeit verraten. Dabei kommen vielleicht wertvolle Aspekte zum Vorschein, die sonst im Stress des Alltags und im Hamsterrad des Lebens eher übersehen werden. Und doch gewinnen wir so unendlich viel, wenn wir gerade diese Aspekte wahrnehmen, wichtig nehmen und fördern.
Was wohl Gott antworten würde, wenn man ihn fragte, was ihm Freude macht?
Hier die Antworten:

  • Leuten mit Liebe begegnen
  • Menschen treu zur Seite stehen
  • Schuld vergeben
  • barmherzig sein
  • anderen Freude bereiten
    (so in Micha 7,18-20 – Gute Nachricht Bibel)

Was würde Dir Freude bereiten? Und womit könntest Du klein anfangen?

KLEIN ANFANGEN
Der steinreiche Goldberg steht an Deck eines Kreuzfahrtschiffes und blickt verträumt auf die am Horizont untergehende Sonne. Da nähert sich unauffällig ein Schiffsjunge und zieht dem Goldberg geschickt sein teures Seidentaschentuch aus der Hosentasche. Ein Matrose, der den Vorfall beobachtet hat, packt sich den Jungen und macht ihm schwere Vorwürfe.
Darauf Goldberg:
“Ach, lassen Sie ihn doch laufen – wir haben doch schließlich ALLE einmal klein angefangen.”

ANGST vor Konflikten

Angst ist ja ein ganz existentiell menschliches Phänomen und die Angst vor Konflikten in aller Welt genauso weit verbreitet wie die Angst der Kinder vor der abendlichen Dunkelheit. Letztere rührt, wie die meisten irgendwann gelernt haben, daher, dass wir als Kinder einfach noch zu wenig gute Erfahrungen mit Nächten und Dunkelheiten gemacht haben. Dieses fehlende Erfahrungswissen wiederum machen sich nun alle möglichen Monster und Schreckgespenster zunutze. Und so erzeugen undefinierbares Unwohlsein gepaart mit dunklen Phantasien unterschiedlichste Ängste nicht nur bei Kindern, die dunkle Kellerräume betreten, sondern auch bei Erwachsenen, die dunkle Familien- oder Berufssituationen fürchten.
Da hilft nur eins: Man muss auf Leute treffen, die – wie früher die eigenen Eltern – einem selbst die vielfach erprobte Erfahrung glaubhaft vermitteln können, dass man vor der Dunkelheit drohender Konflikte keine Angst haben muss, weil diese – wenn gewaltfrei ausgetragen – Licht in manches Dunkel bringen und so zum Frieden führen.
Gerade um Konflikte ranken sich ja ganz viele Ängste des Erwachsenenlebens auf persönlicher wie auf beruflicher oder politischer Ebene. Interessant ist, wie einer der härtesten Konflikte des 20. Jahrhunderts eine Lösung erfahren konnte: Für das Problem der Apartheid, die jahrzehntelange “Rassentrennung” in Südafrika, schien die Lage völlig aussichtslos, keine konstruktive Möglichkeit zur Aufarbeitung in Sicht, kein gangbarer Weg zum Frieden vorstellbar. Wie sich in dieser Situation die Wende anbahnte, das hat Dirk J. Smit, Theologieprofessor an der Universität Stellenbosch (Südafrika), wiederholt so beschrieben: “In aller Ausweglosigkeit tat sich uns ein Weg zum Frieden auf, als wir anfingen, die Dinge theologisch zu sehen.”
Was damit gemeint ist: Licht sollte in die Dunkelheit kommen. Menschen sollten mit ihren Geschichten und mit ihren Erfahrungen gehört werden. Und dann sollte nicht durch Aburteilen und Verdammen die Dunkelheit noch weiter vergrößert werden, sondern durch gegenseitiges Verstehen und wechselseitige Versöhnung sollte ein Licht des Friedens aufleuchten.
Ganz praktisch führte das in Südafrika zur Gründung der “Wahrheits- und Versöhnungskommission”, die weltweit als ein Erfolgsmodell gilt, miteinander zerstrittene Gruppen wieder zu vereinen. Denn während Gerichte Menschen dazu ermutigen, ihre Fehler zu bestreiten, laden Wahrheitskommissionen dazu ein, die Wahrheit zu sagen. Während ein Gericht Schuldige bestraft, werden in der Versöhnungskommission Einsichtige miteinander versöhnt.
Die Angst vor Konflikten ist offenbar so alt wie die Menschen selbst; und auch da hilft nur eins: auf Menschen treffen, die einem Mut machen. So wie Jesus es bei seinen Freunden tat, der sich immer wieder viel Zeit für das Gespräch mit ihnen nahm und so einmal zu ihnen sagte: “Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.” (Johannes 16,33) Und so sagt Gott auch heute zu mir: “Bei Dir ist Dunkelheit, aber ich bringe Dir das Licht. In Deiner Familie oder an Deinem Arbeitsplatz ist Angst, aber ich sorge wieder für Geborgenheit.”
Dass das nicht nur fromme Worte sind, kann man lernen nicht nur bei Leuten wie Dirk J. Smit aus Südafrika, sondern auch durch eigene Erfahrung in pfälzischen Dörfern wie Fußgönheim und Schauernheim. Und vielleicht könnte es uns, die wir in solchen Dörfern oder auch anderswo leben, ja ganz praktisch helfen, wenn wir in Gesprächen nicht nur unsere Erfolge im Leben, sondern auch unsere Herausforderungen, Ängste und hilfreiche REZEPTE zu deren Bewältigung miteinander teilen.

EHE-REZEPT
Nach vielen Jahren begegnen sich zwei alte Freunde zufällig:
“Was? Du bist seit über 30 Jahren glücklich verheiratet?! Bitte verrate mir: Hast du ein bestimmtes Ehe-Rezept?”
“Nun, das ist eigentlich ganz einfach. Meine Frau und ich pflegen ein kleines Ritual: Wir gehen jede Woche zweimal zum Abendessen in ein schickes Restaurant – meine Frau dienstags und ich freitags.”

HERABSEHEN auf andere

Dass viele Menschen auf andere herabsehen, das ist ein ganz selbstverständliches Phänomen unseres Lebens. Denn das liegt ja schlicht und einfach daran, dass alle Menschen, die größer sind als der Durchschnitt (in Deutschland für Männer bei 1,80 m und für Frauen bei 1,66 m) natürlicherweise auf alle anderen herabsehen, die kleiner sind als dieser Durchschnitt.
Das wäre ja auch grundsätzlich kein Problem, wenn man nicht – oftmals unbewusst – zu dem Fehlschluss kommen würde, dass man auch auf Leute, die im übertragenen Sinn “klein” – weil unbedeutend – wirken, herabsehen könnte, wenn man sich selbst für “groß” und bedeutsam hält.
In dem modernen Märchen-Epos “Der Herr der Ringe” von J. R. R. Tolkien hat eine Gruppe aus Menschen, Zauberer, Elf, Zwerg und vier Hobbits ein Abenteuer zu bestehen. Und natürlich stellt sich die Frage, was denn diese vier kleinen, oftmals etwas verträumt wirkenden Hobbit-Halblinge Sinnvolles beitragen könnten, von denen ja niemand etwas Bedeutsames erwartet – schon allein wegen ihrer körperlichen “Größe”; präziser eigentlich: wegen ihrer körperlichen “Kleine”. Doch im Laufe aller Irrungen und Wirrungen merken alle, wie überaus bedeutsam der Beitrag der “Kleinen” für den Erfolg des Abenteuers ist.

Bezeichnend ist dann eine Schlüsselszene am Ende: Als der große Aragorn zum König gekrönt wird, da wollen sich auch die vier Hobbits vor ihm niederknien, worauf König Aragorn ihnen entgegnet: “Meine Freunde, Ihr verneigt euch vor niemandem!” Und dann kniet sich der König selbst und mit ihm alle anderen vor diesen vier Hobbits hin, um damit deutlich zu machen: Wenn nicht einmal ich als König auf euch herabsehe, dann sollte es auch sonst niemand tun.
Und das täte auch uns wahrhaft gut, wenn wir im Abenteuer des Lebens einander zu solchen Freunden werden, unter denen keiner mehr auf den anderen herabsieht.
Jesus: “Ich sehe auf niemanden herab.” (Matthäus 11,29 – Gute Nachricht Bibel)

WAHRHAFTE GRÖSSE
David zu seinem Großvater:
“Opa, wer von unseren Rabbis ist eigentlich ein so richtig großer Rabbi?”
“Das kann ich dir leicht sagen: Ein richtig großer Rabbi ist ein Mensch, der fasten kann, während er isst, der allein sein kann, während er von vielen Menschen umgeben ist, und der fleißig sein kann, während er sich in seinem warmen Bett ausruht und träumt.”

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