MonatAugust 2020

NERVENSÄGEN BEURTEILEN

Es gibt Leute, die gehen mir auf die Nerven; die machen mir das Leben schwer; die nerven und ich denke: “Muss die so sein? Muss die sich so verhalten?” Und dann steigere ich mich rein …

Wenn man erstmal einen Fehler beim anderen gefunden hat, dann findet man auch ganz schnell noch weitere. Und dann hört man auch noch über andere, was er sonst noch so verbrochen hat.
Der Pharisäer braucht nicht lange suchen, bis er beim Zöllner Fehler findet und dann noch weitere Fehler und von anderen auch noch anderes hört.
Und beim Fehlersuchen merke ich dann gar nicht, dass ich gar nicht mehr den anderen sehe, wie er ist, sondern nur noch meine Schablonen und Schubladen, in die ich ihn hineingepresst habe. Dann schaue ich ganz groß in meine Schublade; und darin ist er ganz klein.
Aber letztlich drehe ich mich mehr nur um mich selbst, um meine Einschätzungen und Beurteilungen. Und beim Verurteilen da geht es dann auch nicht mehr aufwärts, sondern nur noch abwärts wie in einem Strudel.

SICH SELBST UND ANDERE SEHEN
“Herr Doktor, helfen Sie mir! Meine Frau macht mich fertig. Die ist total übergeschnappt. Sie hält über dreißig Katzen in unserer Wohnung, und das Schlimmste, Herr Doktor, ist der Gestank, weil alle Fenster geschlossen sind!”
“Aber dann machen Sie doch die Fenster auf!”
“Ja, Sie sind gut – und was ist dann mit meinen vierundsiebzig Tauben?”

UNWOHLSEIN in bedrängenden Zeiten

Unwohlsein und Bauchweh. Wer kennt das nicht? Die Kinder, die in die Kita oder die neue Schule kommen, aber auch wir Erwachsenen, wenn uns ein schwerer Schritt bevorsteht oder wir eine schwere Phase durchmachen. Auch die Corona-Lage führt offenbar zu Dauer-Unwohlsein, weil man ständig überlegt, wie man sich richtig verhalten soll, was man alles falsch macht und was alles schief gehen kann. Und vor allem als Veranstalter oder Organisator muss man dann Entscheidungen treffen, von denen man nur hoffen kann, dass es die richtigen sind, die sich aber genauso gut auch als falsch erweisen könnten.
In biblischen Zeiten verursachte in Israel vor allem die römische Besatzung viel Leid und Unwohlsein bei der Bevölkerung. Manche entschieden sich zum offenen Widerstand, andere fanden sich mit der Bedrohungslage ab, und wieder andere entschieden sich, mit der Besatzungsmacht zum Beispiel als Zolleinnehmer zusammenzuarbeiten. Gerade den Letztgenannten wurde ihre Entscheidung von vielen krumm genommen und sie wurden als Zöllner abgestempelt und verachtet.
Aber wer kann schon in einen Menschen hineinschauen und beurteilen, warum der andere so handelt? Vielleicht wurde jemand Zolleinnehmer für die Römer, weil er als Familienvater sonst kein Einkommen gehabt hätte. Und heute: Die einen entscheiden sich, unter Corona-Bedingungen zu arbeiten und wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen, andere bleiben lieber vorsichtig und zurückhaltend.
Ob wir unter der Belastungen einer Corona-Pandemie leiden oder anderen Widerwärtigkeiten wie jener Zöllner: in allen unseren unvollkommenen Entscheidungen und fehlerbehafteten Versuchen, das Leben zu meistern, können wir uns auf Gottes Verständnis verlassen und mit den Worten jenes Zöllners aus Jesu Gleichnis um Gottes Beistand bitten: “Gott, hab Erbarmen mit mir, ich bin ein sündiger Mensch!” (Lukas 18,13)
Und wenn dann nicht nur Gott uns, sondern wir unvollkommenen Menschen auch noch einander mit Barmherzigkeit begegnen, umso besser.

UNWOHLSEIN im Gottesdienst
Während des Gottesdienstes in der Synagoge.
Mandelbaum wird plötzlich ganz weiß im Gesicht.
Der Rabbi fragt besorgt:
“Mandelbaum, was ist los mit dir?”
“Oh weh! Mir ist gerade eingefallen, dass ich vergessen habe, die Haustür und die Kasse abzuschließen!”
Darauf wirft der Rabbi einen kurzen Blick über seine Gemeinde und sagt beruhigend:
“Mach dir keine Sorgen, sie sind alle hier.”

IMMER GUT DASTEHEN!

Immer gut dastehen – das ist mein Beruf. Als Pfarrer lernt man das schon in der Ausbildung: vorne vor den Leuten stehen und immer eine (hoffentlich) gute Figur machen. Immer professionell und perfekt den Gottesdienst, die Liturgie, die Predigt halten. Beim Segnen mit erhobenen Händen nicht aussehen wie eine Vogelscheuche, aber auch nicht wie beim “Hände hoch!” der Polizei, sondern: heilig, seriös und salbungsvoll.
Immer gut dastehen, auch wenn mal was nicht wirklich so gut klappt, dann sich bloß nichts anmerken lassen und so tun, als wenn nichts wär. Wenn man lernt, im Beruf immer gut dazustehen für das eigene Unternehmen und für die eigenen Projekte, ob sich das dann irgendwann auch überträgt auf den eigenen Charakter? Kommt dann irgendwann der Punkt, an dem man Perfektion mit Menschlichkeit verwechselt und auch im Privaten vor anderen immer gut dastehen und erscheinen will – ohne Makel, ohne Fehler?
Aber es gibt sie nicht: die perfekt frommen Menschen (Lukas 18,9), die perfekt frommen Pfarrer oder sonst überhaupt perfekte Menschen. Selbst Gott weiß, dass Missgeschicke, Fehltritte und alle möglichen Unvollkommenheiten zum Leben einfach dazugehören. Hoffentlich wissen wir und gönnen wir uns das auch.
IMMER GUT AUSSEHEN?
Blau steht ungewaschen und in löchriger Kleidung in seinem Heimatdorf am Bahnhof. Er will in die Stadt fahren.
Grün kommt zufällig vorbei, sieht den Blau und sagt:
“Schämst du dich eigentlich nicht, in deinem Zustand und in diesen schmutzigen Sachen in die Stadt zu fahren?”
“Nein, warum denn auch? DA kennt mich doch keiner.”
Am Abend treffen sich beide wieder.
Blau hat sich immer noch nicht gewaschen und trägt auch noch die gleichen kaputten Sachen.
Grün wundert sich wieder und fragt:
“Aber wieso läufst du denn auch hier, in deiner Gemeinde, so ungepflegt und abgerissen herum?”
“Nun, HIER kennt mich doch jeder.”

WEISSE WESTE

Ich hätt so gern ne weiße Weste.
Denn wenn ich eine weiße Weste hätt, dann könnt ich immer sagen: „Ich war’s nicht.“
Wenn etwas kaputt geht, und ich ne weiße Weste hätt, dann bin ich nicht Schuld.
Dann wäre ich fein raus mit meiner feinen weißen Weste, stünde immer gut da – viel besser als die anderen.
Wenn es Konflikte gibt, Ärger oder Streit und ich ne weiße Weste hätt …
Ich kann ihn so gut verstehen; den mit der weißen Weste, der da steht und sagt:
„Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.“ (Lukas 18,11)
So stehe ich auch gern da, mit meiner weißen Weste.
Aber dann merke ich:
Ich habe keine weiße Weste.
Allenfalls ein weißes Hemd.

GRABINSCHRIFT
Grün besucht zum ersten Mal das Grab seines verstorbenen Freundes Blau.
Auf dem Grabstein liest er:
“Hier ruht Itzik Blau, ein guter Mensch und ein ehrlicher Kaufmann.”
Grün denkt:
“Armer Itzik! Mit zwei wildfremden Leut´ haben sie dich ins Grab gelegt.”

GOTT, DER MIR NAHE IST

Dass Gott mich kennt und mir nahe ist. Schön und gut. Aber das scheint oftmals ja nur ein netter Spruch, eine fromme Theorie, wertlos für’s praktische Leben, wenn das nicht im Alltag erfahrbar wird.
Der moderne Mystiker Frank Laubach erfand nicht nur ein Alphabetisierungsprogramm, mit dessen Hilfe Millionen von Menschen Lesen und Schreiben lernten, sondern er entwickelte auch Ideen, um Gottes Nähe ganz praktisch im Alltag zu erfahren.
Aus der Fülle seiner Ideen und Methoden, das Leben in Gottes Nähe einzuüben, seien hier exemplarisch fünf genannt, mit denen man anfangen kann:
1. Sich Gott bzw. Jesus konkret vorstellen und visualisieren: zum Beispiel in einem Klassenraum oder an einem Sitzungstisch auf einem leeren Stuhl.
2. Jede Mahlzeit, nicht nur das Abendmahl, als ein Mahl der Gegenwart und Hingabe Jesu feiern (eine Idee der Quäker).
3. Menschen still segnen, denen man im Alltag begegnet.
4. Beim Lesen oder Nachdenken ein inneres Gespräch mit Gott beginnen; und dann die Antwort hören – vielleicht auch aufschreiben.
5. Wenn man Gottes Gegenwart vergessen hat, immer wieder neu von vorne anfangen und selbst neue Experimentiermöglichkeiten suchen.
Ausführlicher dargestellt hat Laubach seine Ideen in Briefen an seinen Vater (nachzulesen in dem Buch: Frank Laubach, In jeder Minute bist du da). Etwas ausführlicher erläutert werden die fünf oben genannten Ideen im folgenden, zweiten TheoLogo-Tutorial zu Frank Laubach:

Mit solchen und anderen Methoden macht Laubach erfahrbar, was auch Jeremia viel, viel früher auch erlebt haben muss: dass Gott in den ganz konkreten Tätigkeiten des Lebens da und erfahrbar ist, wie Gott zu Jeremia sagte: “Hab keine Angst vor Menschen, denn ich bin bei dir und schütze dich. … Reiße aus und zerstöre, vernichte und verheere, baue auf und pflanze an!” (Jeremia 1,8ff.)

GOTT IM ALLTAG
Am See Genezareth wollen Touristen mit dem Boot übergesetzt werden. Der Fährmann verlangt dafür pro Person zehn Dollar.
“Ziemlich teuer”, meint einer der Touristen.
“Aber bedenken Sie, über diesen See ist unser Herr mit Gottes Hilfe zu Fuß gewandelt!”
“Kein Wunder, bei den Preisen!”

GOTT, DER MIR HILFT

Sollte Gott mir helfen können?
Dann müsste Gott mich erstens überhaupt persönlich kennen, wie meine Eltern oder Freunde mich kennen. Denn nur, wenn Gott mich kennt und ein Interesse an mir hat, dann kann er mir auch angemessen helfen.
Und zweitens müsste Gott in meiner Nähe irgendwie erfahrbar sein. Denn nur wenn Gott nicht nur allmächtig zwar, aber leider doch weit weg ist, sondern in meiner Nähe auch, dann kann er mir wirksam helfen.
Auf die Suche nach der Erfahrung eines solchen Gottes haben sich immer wieder Menschen gemacht; und auch erfahren, dass da so ein Gott zu finden ist, der sie kennt und ihnen nahe ist.
Jesaja zum Beispiel hatte den Eindruck, Gottes Wort zu hören, der ihm sagte: “Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete.” (Jeremia 1,4)
Und auch in der weiteren Religionsgeschichte haben immer wieder Menschen diese Forschungsreise angetreten: Ob das erlebbar ist, ein Gott der mich kennt und mir nahe ist? “Mystiker” nennt man sie.
Mystiker aber gibt es nicht nur in längst vergessenen Tagen, sondern auch in neueren Zeiten. Einer dieser modernen Mystiker ist Frank Laubach, auch “Apostel der Analphabeten” genannt. Denn als studierter und promovierter Soziologe beschäftigte ihn vor allem die Frage, wie man Menschen aus der Armut heraushelfen könnte. Seine Antwort: Viele Menschen könnten sich besser selber helfen, wenn sie Lesen und Schreiben lernen würden. Und so entwickelte Laubach sein Programm “Each One Teach One”, mit dem Analphabeten nicht nur selbst Lesen und Schreiben lernten, sondern als Multiplikatoren es auch gleich anderen wieder beibringen konnten. Laubachs Methode war so erfolgreich, dass er in 105 Länder eingeladen wurde, um sein Programm dort vorzustellen.
Die Kraft und Weisheit, sein eigenes Lebens- und Arbeitsprogramm zu meistern mit all seinen Herausforderungen, gewann Frank Laubach, indem er eines Tages ein Experiment begann: Ob das möglich ist, in jeder Stunde des Lebens, ja in jeder Minute sogar, Gott als persönlich und hilfreich nahe zu erleben?
Lust auf dieses Experiment?
Nähere Infos dazu findet man in dem Buch: Frank Laubach, In jeder Minute bist da: Spielerisch Gottes Gegenwart entdecken (Klassiker der christlichen Spiritualität). Oder in dem folgenden TheoLogo-Tutorial:

GOTTESERFAHRUNG
In Straßburg findet eine Konferenz zum Thema “Heiliger Geist und Gotteserfahrung” statt, an der Engländer, Franzosen und Deutsche teilnehmen.
Die Engländer halten die Vorträge zum Thema “Heiliger Geist”. Die Franzosen referieren über “Gotteserfahrung”. Die Deutschen reden über das Wörtchen “und”.

NICHT MEHR ZU HELFEN

Als es in der Schule in Englisch so richtig schlecht lief, da hat mir meine Mutter geholfen: Jeden Tag hat sie mit mir Vokabeln geübt und mich abgefragt. Das war echt hart und unangenehm, aber nötig. Denn auf einer Fünf wollte ich nicht stehenbleiben.

In Mathe – immerhin – da lief es besser. Da konnte ich anderen helfen, habe Nachhilfe gegeben und Freunden erklärt, wie das geht mit Prozentrechnung oder Kurvendiskussionen.
Wenn das im Leben immer so einfach wäre, dass da jemand ist, der einen kennt, der weiß wo’s gerade hakt und mir dann weiterhelfen kann. Wenn das Leben mit all seinen Problemen und Konflikten nur immer so einfach zu lösen wäre wie eine Matheaufgabe.
ABER wenn man älter wird, wenn die Aufgaben schwieriger werden und die Verantwortung zunimmt, dann ist da oft keiner mehr, der so ein Verständnis für meine Aufgaben und Herausforderungen hat, dass er mir helfen kann. Dann muss ich wohl fürchten zu versagen und für mein Versagen von anderen verurteilt zu werden.
Da hilft dann auch kein: “Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!” Was ja auch eher so viel meint wie: “Da ist dir wohl nicht mehr zu helfen.”
Aber irgendwas muss man ja doch tun, reden, denken …
Aber was?
ODER ist es vielleicht genau umgekehrt?
Wenn Gott mir hilft, auch wenn es sonst niemand mehr kann, dann kann ich mir auch wieder selber helfen.
Wenn Gott mir hilft, dann weiß ich auch wieder, was ich denken, reden, tun soll.
NUR: Wie hilft mir Gott?

”Hab keine Angst vor Menschen, denn ich bin bei dir und schütze dich. Das sage ich, der HERR.” (Jeremia 1,8)

KOPFSCHMERZEN
Cohn läuft im Büro herum und jammert:
“Oh, mein Gott, was habe ich nur für Kopfschmerzen. Ich verliere noch meinen Verstand!”
Darauf der Direktor:
“Mein lieber Cohn, wenn Sie wirklich krank sind, dann gehen Sie bitte nach Hause, aber hören Sie endlich auf, hier herumzurennen und anzugeben.”

ÜBERFORDERT?

Probleme, die einem zu schaffen machen, gibt es in jeder Phase des Lebens: Im Kindergarten ist es das allmorgendliche Verlassenwerden von den Eltern, in der Grundschule das Einmaleins und auf der weiterführenden Schule erst die Englischvokabeln und dann auch noch das Prozentrechnen.

Und mit den Problemen, die mir zu schaffen machen, hört es ja nicht auf, wenn man erwachsen wird. Im Gegenteil! Da sind Konflikte am Arbeitsplatz und die Frage: “Was soll ich nun sagen, was soll ich jetzt machen, um die Konfliktparteien wieder zueinander zu bewegen?” Oder ein Vortrag, den ich halten soll, und mein Eindruck: “Ich habe keine Ahnung, was ich sagen soll. Alle, die da zuhören, sind viel älter als ich und haben viel mehr Ahnung von der Materie.”

“Ich kann doch nicht reden, ich bin noch zu jung!” (Jeremia 1,6)

Zu jung, zu alt, zu unerfahren, zu schüchtern. Irgendwo hakt’s immer. So geht es offenbar nicht nur mir. So ging es auch schon dem Propheten Jeremia.

ZU JUNG?

Der siebzigjährige steinreiche Teitelbaum hat eine bildschöne Zwanzigjährige geheiratet.
Sein Freund fragt ihn, wie er das geschafft hat:
“Nun, im Grunde ganz einfach: Ich habe ihr einfach gesagt, dass ich bereits 85 bin.”

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