Immer wieder gab es und gibt es Zeiten und Orte in der Geschichte der Christenheit, wo Glaubende ohne engere Betreuung durch Pfarrer, Pastoren oder andere „Hirten“ auskommen mussten; aus ganz verschiedenen Gründen: Verfolgungs- und Unterdrückungszeiten, Diasporasituationen oder Kontakt- und Versammlungsverbote.
Wie gut, dass Gott als der große Oberhirte nicht darauf angewiesen ist, dass professionell ausgebildetes und bezahltes Bodenpersonal den Hirtenjob für ihn erledigt, sondern dass er das auch direkt selbst erledigen kann. Nur: Diese Möglichkeit, dass jeder Glaubende die Gegenwart Gottes jederzeit und an jedem Ort bei sich selbst entdecken kann, die ist in der Christenheit offenbar wenig bekannt – vielleicht auch, weil die professionellen Hirten sich über lange Zeit als unabdingbar dargestellt haben für die Vermittlung von Gotteserfahrung in Gottesdiensten und ähnlichen kirchlichen Veranstaltungen. Mystiker wie die Wüstenväter und -mütter im 4. Jh., Bruder Lorenz im 17. Jh. und Frank Laubach im 20. Jh. haben hingegen vorgelebt, wie man die Gegenwart des einen guten Hirten an jedem Ort und in jeder Minute erleben kann. Bleibt nur noch die Frage: Wo ist Gott, der gute Hirte, denn nun konkret zu finden?
GOTTES GEGENWART
In Russland während der Zeit des Sowjet-Kommunismus. Selbstverständlich werden die Kinder in der Schule atheistisch unterrichtet.
Ein Lehrer zu seinen Schülern:
„Wer mir einen Gegenstand zeigen kann, in dem Gott steckt, der bekommt von mir zwei Rubel!“
Da meldet sich der neunjährige David:
„Und wenn Sie mir einen Gegenstand zeigen können, in dem Gott NICHT steckt, dann bekommen Sie von mir sogar vier Rubel!“

So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. (Hesekiel 34,11)