Manchmal hat man sich an „alte Wahrheiten“ schon so sehr gewöhnt, dass man gar nicht mehr merkt, wie falsch sie eigentlich sind: So bezeichnet man beispielsweise den Pfingsttag, an dem die Jünger Jesu den Heiligen Geist empfingen, unter Christen gerne als „Geburtsstunde der Kirche“. Dabei muss man sich aber doch einmal klarmachen, dass am Pfingsttag keine neue Religionsgemeinschaft und schon gar keine christliche Kirche gegründet wurde. Denn am ursprünglichen Pfingsttag da waren in Jerusalem als Jünger Jesu allesamt nur Juden versammelt, die dort erlebten, dass sie auf ganz neue Weise vom Geist Gottes erfüllt und belebt wurden. Und durch das Geschenk dieser Erfahrung begründete Gott keine Kirche, sondern erfüllte schlicht und einfach nur eine alte Verheißung: „Ich werde ihnen mein Gesetz nicht auf Steintafeln, sondern in Herz und Gewissen schreiben.“ (Jeremia 31,33b)
Geboren wurde die neue christliche Religion dann weniger durch das Pfingstereignis, sondern – wie bei jeder Geburt – dadurch, dass die „Mutter“ das „Kind“ mit der Zeit nicht mehr in sich (er)tragen wollte, sondern aus sich heraus in die Selbstständigkeit entließ und ihm einen eigenen Namen gab; so auch bei den Juden, die dann als erstes „Christen“ genannt wurden (Apostelgeschichte 11,26).

BEGINN DES LEBENS
Ein katholischer Priester, ein evangelischer Pfarrer und ein jüdischer Rabbiner unterhalten sich über die Frage, wann genau das Leben beginnt.
„Das Kirchenrecht ist da ganz klar: das Leben beginnt selbstverständlich mit der Zeugung“, erklärt der katholische Priester apodiktisch.
„Na ja“, meint der evangelische Pfarrer, „wir sind da etwas toleranter; wir meinen, dass das Leben erst mit der Geburt beginnt.“
Der Rabbiner: „Nun, nach meinen persönlichen Erfahrungen und nach allem, was ich so aus der Gemeinde weiß, beginnt das Leben erst dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind und den Hund mitgenommen haben.“