Immer gut dastehen – das ist mein Beruf. Als Pfarrer lernt man das schon in der Ausbildung: vorne vor den Leuten stehen und immer eine (hoffentlich) gute Figur machen. Immer professionell und perfekt den Gottesdienst, die Liturgie, die Predigt halten. Beim Segnen mit erhobenen Händen nicht aussehen wie eine Vogelscheuche, aber auch nicht wie beim “Hände hoch!” der Polizei, sondern: heilig, seriös und salbungsvoll.
Immer gut dastehen, auch wenn mal was nicht wirklich so gut klappt, dann sich bloß nichts anmerken lassen und so tun, als wenn nichts wär. Wenn man lernt, im Beruf immer gut dazustehen für das eigene Unternehmen und für die eigenen Projekte, ob sich das dann irgendwann auch überträgt auf den eigenen Charakter? Kommt dann irgendwann der Punkt, an dem man Perfektion mit Menschlichkeit verwechselt und auch im Privaten vor anderen immer gut dastehen und erscheinen will – ohne Makel, ohne Fehler?
Aber es gibt sie nicht: die perfekt frommen Menschen (Lukas 18,9), die perfekt frommen Pfarrer oder sonst überhaupt perfekte Menschen. Selbst Gott weiß, dass Missgeschicke, Fehltritte und alle möglichen Unvollkommenheiten zum Leben einfach dazugehören. Hoffentlich wissen wir und gönnen wir uns das auch.
IMMER GUT AUSSEHEN?
Blau steht ungewaschen und in löchriger Kleidung in seinem Heimatdorf am Bahnhof. Er will in die Stadt fahren.
Grün kommt zufällig vorbei, sieht den Blau und sagt:
“Schämst du dich eigentlich nicht, in deinem Zustand und in diesen schmutzigen Sachen in die Stadt zu fahren?”
“Nein, warum denn auch? DA kennt mich doch keiner.”
Am Abend treffen sich beide wieder.
Blau hat sich immer noch nicht gewaschen und trägt auch noch die gleichen kaputten Sachen.
Grün wundert sich wieder und fragt:
“Aber wieso läufst du denn auch hier, in deiner Gemeinde, so ungepflegt und abgerissen herum?”
“Nun, HIER kennt mich doch jeder.”