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WARNHINWEISE

Wenn’s im Leben so richtig schlecht läuft, dann frage ich mich schon:
Warum?
Was habe ich versäumt oder welchen Warnhinweis nicht beachtet, dass es so weit hat kommen können?

An welcher Stelle hätte ich etwas anders machen können, um dieses Desaster zu vermeiden?
Klar, nicht selten sind auch die anderen Schuld an meiner Misere. Mir wurde übel mitgespielt. Aber reicht das als Erklärung immer schon aus?
Oder kann ich auch die harte Wahrheit ertragen, dass ein Teil der Verantwortung nicht nur bei den anderen, sondern auch bei mir liegt?
Solche Fragen haben sich immer wieder nicht nur einzelne Personen, sondern auch ganze Gruppen und Völker gestellt. Wenn das Volk Israel von Feinden überwältigt oder unterdrückt wurde, dann stellten vor allem die Propheten solche harte Fragen: Wo hätte die Führung, das Königshaus besser eine Politik der Zurückhaltung und des Friedens verfolgen sollen statt auf unheilvolle Allianzen und militärische Stärke zu setzen? Und wenn sich dann statt des kriegerischen Erfolges eine vernichtende Niederlage einstellte, ob dann vielleicht sogar Gott hinter solcher Strafe steckte?
Nicht selten hatten Propheten den Eindruck, dass Gott auch durch schmerzliche Erfahrungen seinen Leuten etwas zeigen, sie warnen wollte: “Er wollte euch zeigen, dass er allein der wahre Gott ist und dass er Wort hält … Aber alle, die sich ihm widersetzen, bestraft er auf der Stelle und vernichtet sie.” (5.Mose 7,9f.)
Das ist eine harte, vielleicht zu harte Aussage für unsere Ohren heute, wo Gott und Religion immer möglichst freundlich, nett und sanft daherkommen sollen. Und bestimmt will niemand zurück zu einer Form von Religionsausübung, bei der vermeintlich Fromme sich aufblähen und anderen, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen, im Namen Gottes Angst machen.
Aber manchmal lohnt es sich vielleicht doch, auch einmal ganz ehrlich zu fragen:
Ob Gott mich warnen will? Ob er uns etwas zeigen möchte?
Denn wenn’s im Leben so richtig schlecht läuft, dann liegt das ja vielleicht auch daran, dass nicht nur die anderen, sondern auch ich selbst meine Schattenseiten habe.
Aber wer will die schon kennenlernen?

KENNENLERNEN
David zu seinem Großvater:
“Großvater, ist es wahr, dass in einigen Ländern Afrikas die Ehepartner sich erst NACH der Hochzeit kennenlernen?”
“Nun, das ist eigentlich in allen Ländern so.”

Nichts LIEBENSWERTES = LIEBE nichts?

“LIEBE” ist ja ein großes Wort. Und wer gerade verliebt ist, weiß auch meist ein paar Gründe zu nennen, warum diese Liebe zur anderen Person entstanden ist. “Er ist einfach immer so verständnisvoll.” Oder: “Sie hat so ein humorvolles Wesen,” heißt es dann vielleicht.
Wenn unter uns Menschen Liebe entsteht und wächst, dann hat das meist gute Gründe, die in der geliebten Person zu finden sind.
Was aber, wenn sich in der anderen Person nichts Liebenswertes findet?
Gilt dann die Gleichung:
NULL Liebenswertes = NULL Liebe ?
Mit dieser Gleichung im Kopf hatte zumindest Martin Luther lange Zeit gelebt. An sich selbst fand er nichts, wofür Gott ihn als liebenswert oder annehmbar hätte ansehen können. Da waren nur Fehler und Defizite, die er an sich sah. Und so konnte er sich auch nur vorstellen, dass Gott ihn als unannehmbar ablehnen, aber auf keinen Fall lieben konnte.
Bis Martin Luther irgendwann entdeckte: Gottes Liebe funktioniert ganz anders als unsere menschliche Liebe. Gott liebt, ohne dass es dafür Gründe oder Anhaltspunkte in der geliebten Person braucht. Gott liebt “einfach so”. Und Gottes Liebe ist so stark und kreativ, dass sie im Gegenüber alles Liebenswerte selbst hervorbringt und den betreffenden Menschen so wiederum auch wirklich “liebenswert” macht.
Auf den Punkt gebracht hat Martin Luther das einmal für eine Diskussion in Heidelberg, indem er formulierte:

“Die Liebe Gottes findet das für sie Liebenswerte nicht vor, sondern erschafft es. Die Liebe des Menschen entsteht aus dem für sie Liebenswerten.” (Heidelberger Disputation 1518, These 28)
Und wenn man diesen Unterschied begreift, dann versteht man auch: warum Gott ein kleines und bedeutungsloses Volk Israel beachten konnte (5.Mose 7,7f.); warum er mich trotz meiner Fehler und Defizite annimmt und mir mit seiner Liebe begegnet; warum auch bei anderen noch so manches Liebenswerte entstehen könnte, wenn ich mich ihnen zuwende – von Gottes Liebe motiviert.

AM MEISTEN LIEBEN
Frau Goldberg zu ihrem Ehemann:
“Liebster, was liebst du eigentlich am meisten an mir: meinen Verstand oder mein Aussehen?”
Der Ehemann: “Deinen Sinn für Humor.”

Wo gehöre ich hin?

Das Leben ist ja immer wieder voller Überraschungen. Schön, wenn es sich um erfreuliche Überraschungen handelt. Nicht so schön, wenn es sich um eher unerfreuliche Überraschungen handelt: das vorzeitige Ende eines Berufsweges, der unerwartete Verlust einer mir vertrauten Person oder das abrupte Ende einer Partnerschaft. Solche böse Überraschungen können mich geradezu aus der Bahn werfen.
Wie gut haben es da die Kinder! Wenn denen ganz unerwartet etwas Schlimmes passiert, dann wissen sie, wo sie hinlaufen können, wo sie hingehören: Mama oder Papa sind ja auf jeden Fall immer für sie da.
Aber wenn wir älter werden, vielleicht selbst Mama oder Papa geworden sind und niemand mehr da ist, zu dem wir einfach so gehen können – so ganz selbstverständlich und vertrauensvoll?
Wo gehöre ich dann hin? Wer hört mir dann zu? Auf wenn kann ich dann hören, der mir aufmunternde Worte sagt und mir hilfreiche Ratschläge gibt?
Zu den Israeliten sagte Gott vor langer Zeit: “An mich könnt ihr euch halten. Ich höre euch zu. Ich sage euch die Worte, die euch weiterhelfen. Denn ihr gehört zu mir.”
Oder in biblischer Sprache: “Du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott.” (5.Mose 7,6)
Denn HEILIG bedeutet, so das theologische Wörterbuch, nicht mehr und nicht weniger als “zu Gott gehörig”.
Durch die Taufe gehöre ich auch zu Gott als sein Kind.
Ich bin auch heilig.

ZUSAMMEN GEHÖREN
Sarah Teitelbaum und Moische Mandelbaum leben bereits seit über 20 Jahren als unverheiratetes Paar zusammen.
Eines Tages fragt Frau Teiltelbaum:
“Lieber Moische, meinst du nicht auch, dass wir einmal über Heirat nachdenken sollten?”
Darauf er:
“Und meinst du wirklich, liebe Sarah, UNS würde noch jemand nehmen?”

„HEILIG“ – Vergiss es!

„Heilige“ Personen, Orte, Zeiten, Gegenstände. Da gibt es so einiges, auf das man das Prädikat „heilig“ mittlerweile anwendet. Der Einfachheit halber konzentriere ich mich mal auf heilige Personen, denn zumindest da scheint die Sache relativ klar. „Heilige“ Personen oder einfach „Heilige“ sind offenbar solche Menschen, die durch einen außerordentlich frommen, gottwohlgefälligen, ethisch und moralisch untadeligen Lebenswandel auffällig geworden sind; und zwar derart auffällig, dass viele sie so dermaßen für ihre großartige Lebensführung und ihre frommen Leistungen bewundern, dass sie mit der Zeit das Prädikat „heilig“ zugesprochen bekamen – zuerst eher informell, später dann durch formale Heiligsprechungsverfahren der Kirche auch ganz offiziell.
Also kurz: „Heilig“ nennt man die „Heiligen“, weil sie im Feld der Religion großartig gelebt und Großartiges geleistet haben.

Nichts davon trifft allerdings auf die Gruppe von Personen zu, die so ziemlich am Anfang der Bibel und dann fortlaufend in den biblischen Geschichtsbüchern heilig genannt wird: das Volk Israel bzw. die Juden, also die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs. Von denen sagt nämlich Mose, dass sie heilig sind, obwohl sie weder groß sind noch großartig waren, sondern ganz im Gegenteil:
„Du bist ein heiliges Volk … Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern.“ (5.Mose 7,6f.)
Vergessen wir also, wir bisher über „heilig“ zu wissen meinen. Wir müssen noch einmal ganz von vorne anfangen und darüber nachdenken, was „heilig sein“ eigentlich bedeutet und warum es nichts mit moralischer Großartigkeit oder religiöser Vorbildlichkeit zu tun hat.

HEILIG WERDEN – nicht so leicht
Ein Mann will den großen Heiligen nacheifern und geht daher ins Kloster, um Mönch zu werden. Der Orden, dem er beitritt, ist streng: Nur alle zehn Jahre darf man zwei Wörter sagen.
Nach den ersten zehn Jahren geht er zum Abt und sagt: “Bett hart!”
Zehn Jahre später geht er wieder zum Abt und sagt: “Essen schlecht!”
Nach dreißig Jahren geht er zum Abt und sagt: “Ich gehe!”
Da sagt der Abt: “Das wundert mich nicht! Seit du hier bist, habe ich dich nur rummeckern gehört.”

VOLLMACHT und AUTORITÄT haben und ausüben

In dem modernen Märchen “Der Herr der Ringe” wird der kleine Hobbit Frodo Beutlin auserwählt, inmitten einer Gruppe von Gefährten den Ring der Macht zu tragen, den der böse Herrscher Sauron in seine Gewalt bringen will. Der Halbling Frodo soll den zwielichtigen Ring allerdings nicht tragen, um selbst durch diesen Vollmacht und Autorität zu erlangen und auszuüben, sondern um ihn mit seinen Gefährten bis zu den Vulkanfluten Saurons zu tragen und dort zu vernichten. Denn für manche unter den Gefährten war mittlerweile überdeutlich geworden, dass die unheilvolle Art der Macht, die der Ring verleiht, letztlich nicht nur zur Zerstörung jeder Gemeinschaft, sondern auch zur Selbstzerstörung jedes Ringträgers führt.
Wie wir als Menschen Vollmacht und Autorität haben und ausüben können, ist eine Frage, die J.R.R. Tolkien, überzeugter Christ und praktizierender Katholik, in seine dreibändige Märchen-Trilogie in ganz unterschiedlichen Figuren und Nuancen hineingewoben hat.

Der scheinbar so starke Kämpfer Boromir meint, es sei für die Menschen von Mittelerde am besten, wenn er den Ring der Macht seinem Freund Frodo besser abnehmen würde, als dieser zu schwächeln droht. Boromir will lieber selbst mit dem Ring herrschen, merkt aber nicht, wie ihn seine Art des Herrschen-Wollens bereits innerhalb der Gemeinschaft der Freunde brutal und unbarmherzig werden lässt.
Ganz anders die Elbenkönigin Galadriel. Sie nutzt all ihre Autorität, nicht um den Ring und die mit ihm mögliche Vollmacht für sich selbst zu gewinnen, sondern sie tut alles, was in ihrer Macht steht, um Frodo und die Gefährten zu unterstützen und ihnen zu dienen, damit das Abenteuer für alle ein gutes Ende nimmt.
Dass man so wie Galadriel Macht und Autorität ausüben müsste, darüber unterhielten sich die Freunde und Märchenautoren J.R.R Tolkien und C.S. Lewis beim Biertrinken und gegenseiten Vorlesen ihrer gerade entstehenden Geschichten im Oxforder Pub “Eagle an Child”. Denn so hatten sie das selbst von Jesus gelernt, der sagte: “Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.” (Matthäus 20,26-28)

PRÄSIDENTEN-AUTORITÄT
Während einer internationalen Konferenz fragt der amerikanische Präsident seinen israelischen Kollegen:
“Wie viele Einwohner hat Israel eigentlich?”
Der israelische Präsident:
“Ungefähr 7 Millionen.”
Darauf der amerikanische Präsident:
“Da haben Sie es wirklich leicht. Aber ich? Ich bin Präsident von 300 Millionen Einwohnern.”
Darauf der israelische Präsident:
“Sie irren: Ich bin allein, habe aber ungefähr 7 Millionen Präsidenten!”

AUSSTEIGER und ZURÜCKBLEIBER

AUSSTEIGEN: schön für den, der aussteigt

War er wirklich fasziniert von Jesus? Oder war Petrus einfach nur angewidert und gelangweilt? Hatte es satt: dieses tägliche Einerlei, nachts oder frühmorgens aufstehen und Fischen gehen, dann immer wieder die Netze flicken und sauber machen. Und dann auch noch das familiäre Einerlei, die nervigen Kinder vielleicht und die lästigen Schwiegereltern in der Großfamilie im Dorf.
Vielleicht war die Begegnung mit Jesus für Petrus und seine Kollegen einfach DIE Gelegenheit, aus diesem Alltagstrott auszusteigen und ihr Leben als Studenten von Rabbi Jesus auf einem ganz anderen Niveau zu gestalten.

AUSSTEIGEN: Und was ist mit denen, die zurückbleiben?

Bis zum EXIT aus ihrem bisherigen Leben hatten Petrus und seine Kollegen immerhin für den Lebensunterhalt mehrerer Familien gesorgt. Und was wurde dann aus denen, als er und die anderen als Studenten von Professor Jesus sich davon machten?
Was ist eigentlich mit den Ehepartnern, Kindern oder anderen Familienangehörigen, wenn jemand ein Opfer für Gott bringt und sich für seinen Glauben mit Zeit und Geld investiert? Meist betrifft so eine Entscheidung ja immer auch andere.
Ob Gott sich wohl auch um die kümmert, von denen in diesen Geschichten von Jesus und den Aposteln kaum die Rede ist? Fallen die einfach hinten runter oder behält Gott die auch im Blick, selbst wenn die Geschichtenschreiber und Geschichtenleser sie leicht aus dem Blick verlieren?

AUF GANZ ANDEREM NIVEAU
Ein Student zum Professor:
“Herr Professor, Ihre letzte Vorlesung hat mich völlig verwirrt. Haben Sie nicht eine weiterführende Literaturempfehlung für mich?”
Der Professor denkt kurz nach, dann nennt er einige Bücher.
Einige Wochen später treffen sich die beiden wieder.
Der Professor:
“Nun, sind Sie immer noch so verwirrt?”
“Ehrlich gesagt: Ja – aber auf einem ganz anderen Niveau.”

Von IDOLEN lernen

Die Welt ist voller Idole. Für jeden Lebensbereich gibt es die ganz Großen, die man für ihre Höchstleistungen bewundert und verehrt: im Fußball die Weltmeister, in der Politik die Friedensnobelpreisträger, in der Wissenschaft die Pioniere.
Dabei kennt man von solchen Idolen ja oft nur Ausschnitte ihres Lebens und Wirkens, die Seiten, die beeindruckend wirken und glänzen. Da denkt es sich dann leicht: “So würde ich auch gerne sein! So würde ich auch gerne Bücher schreiben!”

Aber wenn man genauer hinschaut, dann erkennt man: So ein Spitzenleistungslebensstil der hat auch seinen Preis: hartes Training, eine auf Hochleistung disziplinierte Lebensführung, fokussierter und wohlüberlegter Umgang mit der eigenen Zeit und Lebensenergie. Und wenn ich mir das dann genauer überlege, dann merke ich: So würde ich vielleicht dann doch nicht leben wollen. Dafür müsste ich ganz viel aufgeben, woran ich jetzt noch hänge.
Aber. Jetzt stell Dir mal vor, Du würdest einer dieser Lichtgestalten auf dem Feld Deiner Begeisterung persönlich begegnen und diese Person würde Dich einladen, mit ihr als Coach zu leben und von ihr zu lernen. Würdest Du das Angebot annehmen, auch wenn es von Dir verlangen würde, Dein bisheriges Leben dafür aufzugeben?
Als Petrus eines Morgens Jesus begegnete, da machte Jesus ihm dieses Angebot: “Komm mit! Du kannst ganz nahe bei mir leben und von mir lernen.”
Doch warum sollte sich Petrus darauf einlassen? Er war Ehemann, kein Single; Fischer, kein Prophet.
Es ist eines, ein Idol aus der Ferne zu bewundern und zu verehren. Es ist etwas ganz anderes, sich ganz nah auf so eine Person einzulassen und von ihr zu lernen.
Jesus fragt auch mich in der Stille immer wieder, ob ich ganz nah mit ihm leben und von ihm lernen will.
WOHLTÄTIGKEIT
Ein wegen seiner Bescheidenheit berühmter Rabbi verteilte zwar regelmäßig großzügige Wohltätigkeiten an die Armen der Gemeinde, besaß aber selber so wenig Geld, dass er sich noch nicht einmal Bücher kaufen konnte. Da er gerne und viel las, musste er sich die Bücher immer ausleihen.
Eines Tages fragt ihn einer seiner Söhne:
“Vater, du verteilst doch jede Woche viel Geld für wohltätige Zwecke. Warum behältst du nicht zumindest so viel für dich, dass du dir wenigstens deine Bücher kaufen kannst?”
“Das kann ich dir leicht erklären: Bücher kann man sich ausleihen, Wohltätigkeit aber nicht.”

Kleine und große GLÜCKSMOMENTE

Neben den vielen kleinen Momenten des Glücks in unserem Alltag wie der genussvollen Tasse Kaffee am Morgen oder dem aufmunternden Wort zwischendurch gibt es zum Glück auch immer wieder mal ganz große Glücksmomente: der besondere Erfolg bei der Abschlussprüfung, die Begegnung mit der Frau oder dem Mann des Lebens, die einmalige Chance auf eine vielversprechende Lebensveränderung …
Auch wenn die kleinen Glücksmomente nicht so großartig daherkommen, haben sie doch das Großartige an sich, dass sie immer wieder und auch dauerhaft – quasi als beständige Glücksbegleiter – mein Leben aufhellen können. Und wenn ich solche “Glücksbringer” wie die wohltuende Zeit der Meditation oder eine Sportsession dann noch in meinen Alltag einplane, dann bleibt solches Lebensglück auch noch nicht einmal allein dem Zufall überlassen.
Bei den großen Glücksmomenten ist das offenbar etwas anders: Bereits während ich so einen großen Glücksmoment erlebe, ist mir klar, dass das vermutlich ein einmaliges Ereignis ist, eine unglaubliche Erfahrung, die in der Form so nie wiederkehren wird.
Dass solche besonderen Glücksmomente einmalig bleiben, liegt vermutlich nicht nur daran, dass sie besonders intensiv sind, sondern auch an einer eigentümlichen Struktur dieser Momente. In solchen besonderen Glücksmomenten leuchtet etwas in meinem Leben auf, das über mein momentanes Leben hinausweist. Mir wird deutlich, wie viel mehr in meinem Leben möglich und erfahrbar wäre, wenn …
Ja, wenn was?
Wenn, ja, wenn ich bereit wäre, diesen Hinweisen des Glücks zu folgen, und wenn ich bereit wäre, mich zu verändern, um noch weitere, dann aber andere Glückserfahrungen auf meinem Lebensweg zu sammeln.
Dann verstehe ich nämlich auch, dass sich die großen Glückserfahrungen nicht einfach wiederholen können, weil ich mich mit ihnen weiterentwickle, so wie sich das Glück des erfolgreichen Schulabschlusses eben nur einmal erleben lässt, weil mein Weg dann weitergeht. Die nächsten großen Glücksmomente werden dann ganz andere sein.
So hat es wohl auch Petrus erlebt: Noch während er durch die Begegnung mit Jesus das Glück seines vermutlich größten Fischfangs erlebt, wird ihm zugleich deutlich, dass er dieses Glück nicht noch einmal erleben wird, weil er danach nie wieder derselbe Fischer sein wird, der er bis dahin war. Petrus wird sich weiterentwickeln . Und so wird sich auch der Charakter der Glückserfahrungen weiterentwickeln, die ihm in Zukunft geschenkt werden (Lukas 5,10).
Nur wer sich als Mensch nicht weiterentwickeln will, der hält auch an den alten Formen des Glücks fest und erwartet die immer gleichen Glückserfahrungen; meint vielleicht sogar, er sei vom GLÜCK ABGESCHNITTEN, nur weil es ihm nicht wieder in exakt derselben Form begegnet wie zuvor.

GLÜCK ABGESCHNITTEN
Goldberg und Rubinstein, zwei alte Freunde, treffen sich zufällig auf der Straße:
“Ich bin im Augenblick wirklich sehr deprimiert. Stell dir vor: Vor zwei Wochen habe ich 1 Million Dollar geerbt, und vor einer Woche habe ich sogar 2 Millionen Dollar in der Lotterie gewonnen – aber seit dieser Woche ist mein Glück einfach wie ABGESCHNITTEN!”

MUSS MAN NICHT VERSTEHEN

Mit den so genannten “Heiligen” oder anderen Persönlichkeiten, die von Gläubigen oder religiösen Menschen verehrt werden, ist das schon eine komische Sache: Viele Leute glauben an sie, verehren sie, beten sie vielleicht sogar an, obwohl sie gleichzeitig den Eindruck haben, dass vieles, was diese “Heiligen” über das Leben sagen, nur in einer religiösen Wunsch- oder Traumwelt funktioniert, aber kaum für unser ganz normales, alltägliches Leben taugt.
Während man selbst zum Beispiel den Eindruck hat, sich mit voller Kraft für den eigenen beruflichen Erfolg oder das persönliche Vorwärtskommen einsetzen zu müssen, predigen die “Gurus” stattdessen Achtsamkeit, Geduld und Gelassenheit. Während man selbst weiß, dass man dem Gegner jetzt mal ordentlich zeigen sollte, wer hier der Stärkere ist, und dass man sich nicht alles bieten lässt, empfehlen sie Vergebung und Feindesliebe.
Und auch in den ganz pragmatischen Dingen des beruflichen Alltags haben sie mitunter seltsame Vorstellungen: Als Petrus und seine Fischer-Kollegen einmal nach einer erfolglos durchfischten Nacht mit leeren Netzen zurückkehrten, da treffen sie am Ufer auf Jesus, der als Zimmermann vom Fischen vermutlich genauso viel Ahnung hat wie ich als Pfarrer. Und prompt rät ihnen Jesus, es noch einmal zu versuchen, obwohl doch jeder weiß, dass die Chancen auf einen guten Fang am helllichten Tag noch viel schlechter stehen (Lukas 5,4f.).
MUSS MAN AUCH NICHT VERSTEHEN
Interessant ist nur, dass es so komisch wirkende Typen wie Jesus nicht nur im Bereich der Religion und des Glaubens gibt, sondern offenbar auch in anderen Lebensbereichen wie der Kultur oder den Naturwissenschaften.
Ob die Bewunderung, die diesen Persönlichkeiten dann irgendwann entgegengebracht wird, etwas damit zu tun hat, dass im Laufe der Zeit doch immer mehr Menschen begreifen, dass diese etwas spinnert wirkenden Genies doch mehr vom Leben und von der Welt verstehen, als man ihnen zunächst zugetraut hat?

VEREHRUNG
Albert Einstein und Charlie Chaplin unterhalten sich.
Einstein zu Chaplin:
“Was ich an Ihrer Kunst am meisten bewundere, ist ihre Internationalität. Die ganze Welt versteht Sie!”
“Das stimmt”, sagt Chaplin zu Einstein, “und trotzdem ist Ihr Ruhm noch außergewöhnlicher als der meine, denn die ganze Welt verehrt Sie, obwohl Sie keiner versteht!”

KLEINKARIERT!

Ich bin so kleinkariert!
Das fällt mir leider immer wieder auf:
– Da habe ich neun schlechte Erfahrungen gemacht und erwarte natürlich, dass es bei der zehnten und elften auch nicht besser wird.
– Da habe ich lange genug Konfliktgespräche gehabt. Und jetzt will noch jemand ein Gespräch mit mir. Bestimmt auch wieder nur, um seinen Frust bei mir abzulassen.
– Da ist das Leben ziemlich langweilig geworden. Alles irgendwie erwartbar und vorhersehbar. Jeden Tag dieselben Abläufe, das tägliche Einerlei der Arbeit. Nichts Neues zu erwarten.
Doch dann passierte es.
Wir saßen Mitte Januar beim Abendessen.
Das Telefon klingelte.
Ob ich für ein Jahr in die USA gehen wolle, fragte eine Stimme von der anderen Seite des Atlantiks – nach Princeton: die Top-Adresse für theologische Forschungsarbeit weltweit. Es würde auch ein Stipendium dafür geben.
Der einzige Haken:
Ich müsste es jetzt gleich entscheiden, weil alle Fristen wegen der September-Anschläge in New York und dem nachfolgenden Chaos schon längst weit überschritten waren. Alles müsste sofort organisiert werden, damit es überhaupt noch funktionieren würde.
Aber – dachte ich bei mir – so geht das doch nicht.
Was wird schließlich aus meiner Ehe? Was wird aus unserer Wohnung? Wie soll das überhaupt so spontan mit all den Vorbereitungen, Formularen und Genehmigungen jetzt noch klappen? Wie stellt der sich das überhaupt vor?
Da ist sie also: die Mega-Chance meines Lebens.
Und ich zögere.
Da zeigt mir Gott eine offene Tür, seine Möglichkeiten für mein Leben.
Und ich muss mir eingestehen:
Ich habe bisher viel zu wenig mit Gott gerechnet, viel zu wenig von Gott erwartet.
Ob das Petrus auch so ging? Als er an diesem einen Morgen Jesus traf, gleich darauf den Mega-Fischfang ins Boot holte und vor Schreck ausrief: “Ich bin ein KLEINKARIERTER Mensch!” (Lukas 15,8; wörtl.: “sündiger Mensch”).
Wenn ich acht Monate hinter mir habe, in denen Gott nichts von sich hat hören lassen, muss es dann so weitergehen? Wenn ich neun schlechte Erfahrungen gemacht habe, muss dann die zehnte auch …?

NEUN SCHLECHTE ERFAHRUNGEN
Der Patient liegt auf dem Operationstisch und fragt: “Wird die Operation gelingen?”
Der Arzt: “Nun, bei zehn Operationen kommt einer durch.”
“Ist das nicht eine sehr geringe Chance?”
“In Ihrem Falle nicht. Sie sind der Zehnte, und die neun vor Ihnen haben bereits die schlechte Erfahrung gemacht.”

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